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Tom, 16 Jahre- Schüler- Automatenspieler

tom_erfahrungsbericht

 „Ich wünsche mir, nicht immer ans Spielen zu denken“

Ich spiele, seitdem ich 14 bin. Nach der Schule bin ich mit meinen Kumpels immer in das Automatencasino um die Ecke gegangen, manchmal ist sogar die ganze Klasse mitgekommen. Es hat unheimlich Spaß gemacht, die verschiedenen Automaten auszuprobieren und immer etwas Neues zu entdecken. Alle waren dabei, alle fanden es echt super. Mein ganzes Taschengeld ging dafür drauf. Ich habe erst meine Oma, dann meine Tante ab und an nach Geld gefragt und es sofort verzockt. Die Anfragen wurden immer häufiger. Und es reichte einfach nie.

Dann fing ich an, das Kleingeld, das bei uns zu Hause so rumlag, einzusammeln. In der Ecke im Flur steht eine Bodenvase, in der mein Vater 2-Euro-Stücke sammelt. Ich dachte, es fällt gar nicht auf, wenn da ein paar fehlen. Und ich begann, schon morgens zu spielen. Die Zeit verging so schnell, dass ich erst irgendwann nach der großen Pause in der Schule erschien. Das ging so lange gut, bis die Lehrer mir Stress deswegen machten, fragten, wo ich letzte Woche gewesen sei, wann mein Entschuldigungszettel käme und so weiter. Darauf hatte ich wirklich keine Lust. Deshalb blieb ich immer häufiger noch länger beim Spielen und ging gar nicht mehr hin. Aber dafür brauchte ich mehr Geld. Also nahm ich meiner Mutter den ersten Schein aus dem Portemonnaie.

Irgendwann haben Sie bemerkt, dass Geld fehlte. Sie kamen zu mir, wollten reden. Ich tat so, als wüsste ich gar nicht, was sie von mir wollten. Ich habe gesagt, dass ich keine Probleme habe und Geld schon gar kein Thema ist. Immer wieder kamen sie damit an und wollten Gespräche. Ich glaube, meine Mutter dachte dann irgendwann, ich würde Drogen nehmen und hat sich wahnsinnige Sorgen gemacht. Ich habe mich nicht mehr getraut, mit ihr überhaupt über irgendetwas zu sprechen, aus Angst, dass sie merkt, dass ich ihr etwas verheimliche. Ich zog mich immer mehr zurück, auch von meinen Kumpels. Dann kam ein Brief aus der Schule, weil ich so viele Fehlzeiten hatte, und es gab wieder endlose Gespräche.

Als ich es dann wohl übertrieb mit den Scheinen, die ich meinen Eltern aus den Geldbörsen nahm, kam der Riesenkrach. Sie nahmen mich regelrecht in die Mangel, da habe ich mich in meinen Lügengeschichten verstrickt und sie haben es sich zusammengereimt. Ich habe mich total geschämt, für die Sache an sich, für die Lügen, fürs Klauen. Ich wäre am liebsten im Boden versunken. Es tat mir so leid, aber ich konnte einfach nicht anders, das Spielen ist so wichtig geworden für mich.

Meine Eltern haben sich dann im Internet informiert und mich zum Café Beispiellos geschickt, wo mir erst so richtig klar wurde, dass ich glücksspielsüchtig bin. Meiner Mutter geht es glaube ich viel besser, seitdem ich da ab und zu hingehe.

Mein Taschengeld bekomme ich nur noch in kleinen Häppchen ausbezahlt. Die Familie ist informiert, so dass mir keiner mehr Geld gibt. Die Lehrer sind angewiesen, sofort meine Eltern anzurufen, wenn ich nicht auftauche. Harte Sache. Aber ich muss schon zugeben, dass ich auch erleichtert bin, dass die Geheimniskrämerei ein Ende hat.

Allerdings vermisse ich das Spielen sehr und denke oft daran. Wie lange ich es durchhalte, ins Café Beispiellos zu gehen, weiß ich nicht…

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