Thorsten G. 32 Jahre- Student- Automatenspieler

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„Ich spielte, bis ich kein Geld mehr hatte. Das war der Moment, wo ich wusste, dass ich Hilfe brauchte.“

Ich wurde mit 22 das erste Mal bewusst mit Glücksspiel konfrontiert. Damals bin ich gerade mit meiner Ausbildung fertig geworden. Plötzlich verdiente ich 700 DM und hatte etwa 300 DM jeden Monat für mich übrig. Ich überlegte mir, wie ich es vervielfachen könnte. Da fiel mir ein, dass es in dem kleinen Ort, wo ich wohnte, eine Spielothek gab, und ich dachte, ich gehe einfach mal dort hin. Ich hatte mir vorgenommen, 50 DM zu setzen, um eventuell mehr Geld daraus zu machen. Am Ende hatte ich die 50 DM verspielt, war noch sechs Mal bei der Bank und habe alles an einem Tag verloren.

Meine Hoffnung war immer, viel Geld zu gewinnen, um mir davon etwas Schönes, Großes zu kaufen. Außerdem konnte ich mich mit dem Spielen fantastisch ablenken und all meine Alltagsprobleme vergessen. Alles drehte sich nur noch um den Automaten. Vorfreude vor dem Spielen war fast jedes Mal vorhanden, während des Spielens war ich euphorisch, glücklich und betäubt. Das böse Erwachen kam immer am Ende, wenn alles verloren war. Es war jedes Mal ein ganz schreckliches Gefühl, ich machte mir Vorwürfe, war traurig, fragte mich, warum ich wieder gespielt hatte. Jedes Mal schwor ich mir, nie wieder zu spielen. Aber spätestens, wenn ich Geld in der Tasche hatte, waren meine guten Vorsätze vergessen.

Der Kick, den mir das Spielen gab, tröstete mich hinweg über eine enttäuschende Beziehung, die mich nicht erfüllte, aus der ich mich aber auch nicht befreien wollte, denn ich liebte diese Frau, auch wenn sie mir nicht die Liebe und Aufmerksamkeit gab, die ich mir gewünscht hätte.

Ich belog alle, um meine Spielsucht geheim zu halten. Am Ende beklaute ich sogar meine Freundin, um spielen zu können. Meine Familie wendete sich von mir ab, da sie es nicht nachvollziehen konnte warum ich spielte. Meine Freunde habe ich vernachlässigt oder ganz vergessen, sodass auch sie sich nach und nach von mir abwendeten.

Irgendwann wurde mir klar, dass bald niemand mehr zu mir stehen würde und ich die Kontrolle über den Umgang mit Geld absolut verloren hatte. Das Spielen an sich konnte ich auch nicht kontrollieren. Ich spielte einfach so lange, bis ich kein Geld mehr hatte. Das war der Moment, wo ich wusste, dass ich Hilfe brauchte.

In meiner Not ging ich zu meinem Arzt, denn ich fühlte mich körperlich krank. Er empfahl mir das Café Beispiellos. Es war nicht leicht, offen über alles zu sprechen, mit Menschen, die ich nicht kenne. Aber danach war es wie eine Befreiung. Die psychologischen Betreuer sind sehr gut, qualifiziert und kompetent.

Meine Beziehung zu meinem Umfeld hat sich seitdem verbessert, Freunde interessieren sich wieder für mich, wir treffen uns, unternehmen etwas zusammen. Die Familie ist auch wieder für mich da und hilft mir auf meinem Weg, spielfrei zu bleiben.

Meine Erinnerungen an das Glücksgefühl beim Spielen sind noch sehr frisch, aber es geht mir wesentlich besser. Ich mache mir selber nicht mehr so viel Druck, und mein Selbstbewusstsein steigt mit jeder Woche, die ich nicht spiele. Außerdem arbeite ich meine Schulden ab, nächsten Monat gibt es das erste Mal Geld, dann kann ich fast all meine Schulden begleichen und von Null anfangen.

Am meisten schätze ich am Café Beispiellos den Kontakt zu anderen Spielern, den Austausch, Probleme besprechen zu können, sich Ratschläge geben zu lasen. Toll!

Ich hoffe, für immer spielfrei bleiben zu können, Geld anzusparen, glücklich zu werden, die richtige Frau für mich zu finden, beruflich erfolgreich zu sein, mein Studium zu bewältigen und mich neu zu verlieben.

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