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Horst P., 67 Jahre- Rentner- Roulettespieler

berichte_ralf

 „Wenn ich zurück schaue kann ich es nicht fassen, dass ich so lange, so viel Geld verspielt habe und nicht schon früher die Therapie beantragt habe.“

 Das erste Mal in meinem Leben bin ich mit einem Bekannten, den ich auf einer Kur kennen gelernt habe, spielen gegangen. Dieser Bekannte schwärmte mir vom Roulettespiel vor, so dass ich ihn eines Tages begleitete. Die ersten Male schaute ich nur zu. Dann fing ich eines Tages an, um ganz kleine Beträge zu spielen, so um die 5 DM, doch nach ganz kurzer Zeit steigerte ich die Einsätze. Meine größte Hoffnung war es, zu gewinnen. Ja, ich wollte gewinnen!

Wenn ich verloren hatte, versuchte ich stets meinen Einsatz, sprich mein Geld, zurück zu gewinnen. Ich habe ganz fest daran geglaubt, dass ich es schaffe. Leider war es nicht so. Umso mehr ich spielte, um so mehr verlor ich. Umso mehr ich verlor, umso schlechter fühlte ich mich. Ich log meine Partnerin an, wo das Geld geblieben ist und erzählte ihr Geschichten, wo ich gewesen sei. Irgendwann knackte ich in meiner Verzweiflung ihr Sparschwein und verspielte ihr Erspartes. Ich nahm mir ganz fest vor, nur mein Geld zurück zu holen und dann alles zurück zu legen. Aber es sollte anders kommen.

Ich verspielte auch dieses Geld und musste meiner Partnerin erzählen, was ich getan hatte. Wenig später trennte sie sich dann von mir, da sie mir nicht mehr vertrauen konnte. Und obwohl mich diese Trennung sehr traf, spielte ich weiter. Ich nahm Kredite auf, um Schulden zahlen zu können und verspielte auch dieses Geld, ebenso wie eine kleine Erbschaft, die mir zuteil wurde. Das es so nicht mehr weitergehen kann, wurde mir erst klar, als ich finanziell komplett ruiniert und allein war.

Als ich dann das erste Mal ins Café Beispiellos ging, hatte ich das Gefühl, es hört mir jemand zu und möchte mir helfen. Nach einigen Beratungsgesprächen mit meiner Sozialarbeiterin, besuchte ich dann auch eine Gruppe dort. Es war für mich wichtig, mit anderen Spielsüchtigen zu sprechen und über das Gesagte nachzudenken, weil mir immer wieder vor Augen geführt wurde, wohin die Spielsucht führen kann.

Nach einiger Zeit in der offenen Gruppe entschied ich mich für die ambulante Therapie im Café Beispiellos. Ich wollte herausfinden, warum gerade ich spielsüchtig geworden bin und verhindern, jemals wieder mit dem Spielen anzufangen. Aus meinem Bekannten- und Freundeskreis weiß niemand, dass ich spielsüchtig bin. Nur meiner neuen Partnerin habe ich davon erzählt. Sie unterstützt mich sehr und trägt auch die Therapie mit. Ich bin meiner Sozialarbeiterin sehr dankbar, dass sie sich bei den zuständigen Kostenträgern für meine ambulante Therapie eingesetzt hat.

Wenn ich heute zurück schaue auf die letzten 30 Jahre, kann ich es nicht fassen, dass ich so lange, so viel Geld verspielt habe und nicht schon früher die Therapie beantragt habe.

Ich wünsche mir sehr, dass ich nie wieder anfange zu spielen und mich die Gespräche in der Therapie stark für die Zukunft machen.

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